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Das Vergessene Volk - Die Faehr



Part1


Ein Rascheln und Rauschen vom Fenster her lässt sie erwachen. Sie schlägt die Augen auf und setzt sich sofort mit einem leisen Aufschrei im Bett auf. Im Schein des Vollmondes, umweht von den dünnen Vorhängen die vom Wind aufgebauscht werden erkennt sie eine Siluette. Schwarzes Haar fällt wild in das sanft wirkende Gesicht und das blasse Licht spiegelt sich auf dem Nackten Oberkörper wieder. Durch das Halbdunkel spürt sie den durchdringenden Blick wacher Augen auf sich liegen. Doch das was sie am meisten irritiert ist das die siluette nicht mit den Schultern aufhört, vielmehr setzt sich der Umriss ab den Schultern in samtig scheinenden, weiß glimmenden Flügeln fort. Krampfhaft krallt sie die Finger in das dünne Tuch das sie bedeckt und kommt sich plötzlich entblößt vor, als ob diese Augen durch jeden Stoff hindurch bis in den Abgrund ihrer Seele blicken können. Sie versucht zu sprechen, bekommt aber nicht mehr als ein heiseres krächzen aus ihrer Kehle. Als die Gestalt einen Schritt vom Balkon ihres zum Meerliegenden Zimmers in ihre Richtung tut, rutscht sie so weit es geht von dem Fremden fort. „Wer bist du?“ Ihre Stimme ist immer noch nicht mehr als ein angst erfülltes Flüstern und sie schämt sich fast schon dafür. Die Gestalt tut noch einen Schritt auf sie zu und das Gesicht wird nun vom Mondlicht beschienen. Der Schreck über das erkennen dieser Gestalt ist noch größer als die Angst die sie hatte als der Schatten noch unbekannt war. „...Ijerek... du?“ Ihre Stimme versagt. Mit wenigen schritten ist er bei ihr und in einer fließenden Bewegung, die Kraft und Anmut vereint, faltet er seine Schwingen auf dem Rücken zusammen und..., sie verschwinden. Er lässt sich auf der Kante ihres Bettes nieder und legt ihr beruhigend einen Finger an die Lippen. „...sch, sch, keine Angst. Ich bin es. Bitte Schrei nicht, ich tue dir doch nichts...“ Die sanfte Berührung und seine leisen Worte lassen sie wohlig erschauern. „Was,... bist du Ijerik?“ Ein lächeln erscheint auf seinem Gesicht und seine Augen scheien von innen heraus zu glühen. „Du bist fremd in dieser Welt, du kannst es nicht wissen. Ich bin einer der Letzten vom alten Volk von Suria. Vor langer Zeit gab es viele von meinem Volk, doch das hat sich geändert als die anderen Völker meinten wir seien eine Bedrohung. Wir wurden gejagt und zu Tausenden abgeschlachtet, Alte, Frauen, Kinder..... Einige haben überlebt. Sie flohen in andere Welten, wenn sie die Kraft dazu hatten, andere zogen in die weiten Wälder oder unzugänglichen Berge. Wir halten uns versteckt, aus angst. Bitte Schrei nicht. Ich bin hier, weil ich es bemerkt habe und ich bin mir sicher es wird nicht lange dauern bis die anderen das auch tun, und dann kann ich dich nicht mehr beschützen.“ Verwirrung macht sich auf ihrem Gesicht breit. Zärtlich streicht er über ihr Gesicht und ein schauer durch läuft sie, aber sie weicht nicht vor ihm. „Was soll das bedeuten?“ Ihre stimme ist fester geworden doch immer noch nicht mehr als ein flüstern. Sein Gesicht kommt näher und seine stimme senkt sich weiter. „Auch wenn du aus einer anderen Welt stammst, so habe ich doch deiner Aura entnommen das du mehr bist als du scheinst. Du hast wurzeln hier in Suria.“ Langsam schüttelt sie den Kopf. „Nein, das kann nicht sein. Wie soll das möglich sein. Es war nie jemand hier. Das hätte mein Vorfahre doch bestimmt erzählt...“ Nun schüttelt Ijerik den Kopf. „Nein, das hätte dein Vorfahr bestimmt nicht. Denn dein Vorfahr war einer vom alten Volk von Suria. Ich sehe es in deiner Aura. Hattest du nie das Gefühl in deinem Körper eingesperrt zu sein? Oder hattest du nie das Gefühl zu schweben und als ob etwas fehlen würde?“ Ihre Augen werden groß und sie schaut ihn ungläubig an. „Woher weißt du das? Ich habe es nie erzählt oder aufgeschrieben. Ich kam mir so verrückt vor...“ Das Lächeln auf seinem Gesicht wird breiter. „Es ist das Gefühl das du hast wenn sich der Teil in dir bemerkbar macht, der Teil der Faehr ist.“ Langsam wandert seine Hand an ihrem Hals hinab, über ihre Schulter bis sie genau zwischen den zwei Schulterbättern liegt, während er die andere Hand sanft aber bestimmt um ihre Taille legt und sie zu sich zieht bis ihre Körper nur noch durch den dünnen Stoff ihren Negligés getrennt werden. Es ist als ob ihre Haut unter seinen Berührungen zu brennen beginnt. Eine Hitze entströmt einem Körper, eine Hitze die sie fast zu verbrennen scheint. „Du bist eine Nachfahrin des alten Volkes Faehr. Spüre deine Schwingen und lass sie sich ausbreiten...“ Seine stimme scheint aus weiter ferne an ihr Ohr zu dringen. Sie schließt die Augen und schlingt die Arme um seinen Hals. Vorsichtig gleiten nun ihre Hände an seiner Wirbelsäule hinab und sie spürt wie er unter jeder ihrer Berührungen erschauert. Das brennen seiner Berührungen auf ihrer Haut breitet sich in ihrem gesamten Körper aus, bis sie ein stechender Schmerz zwischen ihren Schulterblättern wieder zurück in die Wirklichkeit katapultiert. Sie blickt mit Schreckens weiten Augen zu Ijerik hinauf und sieht seine Zufriedenheit auf dem Gesicht stehen. „Hab keine Angst... ich bin bei dir. Ich werde dir helfen...“ Langsam gleitet die eine Hand weiter hinab während die andere Hand sich löst und ihr Ijerik den Dolch zeig den er gerade von seinem Gürtel gelöst hat. „...Keine Angst. Bitte....“ Sie spürt wie er den dünnen Stoff an ihrem Rücken zerschneidet, von den Schulterblättern bis hinunter zur Hüfte. Die Laue Luft kribbelt auf ihrer Haut. Er steht auf und zieht das Tuch zur Seite das in dieser warmen Nacht als Bettdecke dienen sollte. Wie betäubt und dennoch irgendwie frei liegt sie unter seinen Augen. Langsam gleitet sein Blick über ihre Beine die, durch das bis zu den Oberschenkeln hinauf gerutschte Negligé, im weichen Mondlicht wie Seide schimmern. Sein Blick wandert weiter hinauf, über die weibliche Rundung ihrer Hüfte, zu ihrem nunmehr kaum noch verhülltem Dekolleté, das über ihre Schultern wallende Schwarze Haar und den selbst im dunkeln Smaragdgrün leuchtenden Augen. Langsam reckt er ihr seine Hand entgegen, welche sie ergreift, und hilft ihr von ihrer Schlafstelle zu ihm hinaus auf den kalten Steinboden zu treten. Er spürt ihr frösteln und schlingt seine Arme um ihren so zerbrechlich wirkenden Körper. Seufzend lehnt sie ihren Kopf an seine Brust und atmet seinen Duft nach Wald und Meer ein. „Wie lange habe ich Tag und Nacht davon geträumt dich so in meinen Armen halten zu dürfen...“ Er vergräbt sein Gesicht an ihrem Hals und setzt einen Kuss auf ihn. Er vernimmt ihr aufkeuchen als sie alle Widerstände nachgibt und sich mit einem Rauschen eine Flut von sanft silbern schimmernden Federn aus ihrem entblößten Rücken erbricht und sich zu einem paar berauschend schöner Schwingen ausbreitet. „Und du meintest einst wir hätten nichts gemein...“ Seine Stimme kommt vielmehr dem einem unbekannten Gesang gleich als das sie noch menschlich klingen würde. „Bin ich so wie du?.... Wie kann das sein?...“ Ihr Gesicht ist Ijerik’s nun so nah das sie seinen warmen Atem auf ihrer Wange spürt. „Nein, du bist nicht wie ich...nicht ganz. Du bist ein so wunderschönes Geschöpf....“ Er schließt die Augen, richtet sich zu seiner vollen Größe auf und mit einem Rauschen entfalten sich seine Schwingen, sodass sie beide nun von raschelnden Federn umgeben sind. Vorsichtig streicht sie ihm eine Strähne seines ebenfalls schwarzen Haares aus seinem Gesicht. Als er die Augen wieder öffnet blickt er hinab in das Smaragdgrün das ihm entgegen blickt. Ihre Hand verweilt auf seiner Wange und er schmiegt sein Gesicht hinein. „Ich habe auch darauf gehofft dir einstmals so nahe sein zu können. Ich habe mich so nach dir gesehnt...“ Erleichterung durchströmt seinen Körper und er beugt sich langsam zu ihrem Gesicht hinab. Er verweilt kurz um sie zu beobachten, doch sie streckt sich ihm entgegen und jedes Gefühl von Unschlüssigkeit, angst und Vorbehalten der beiden verblassen in dem beinahe ängstlichen Kuss der zwei. Als er nach einiger zeit von ihr ablässt spürt er immer ihre Lippen auf den Seinen. Er löst seine Arme von ihrer Taille und fährt langsam mit den Händen an ihren Armen hinauf, nimmt ihr Gesicht ihn beide Hände und Küsst sie wieder. Fordernd diesmal. Doch sein Kuss wird mit der selben Forderung wie als Antwort erwidert. Vorsichtig Gleiten seine Hände wieder zu ihren schultern und ihre Arme hinab wobei sie wie zufällig das Negligé mit von dem warmen und zierlichen Körper unter seinen Händen abstreift. Der Stoff gleitet an ihr hinab und gibt einen atemberaubenden Ausblick frei. Er tritt zurück und blickt sie staunend an. Langsam tritt sie auf ihn zu und ihre Hände gleiten über seine Brust hinab und er schnappt plötzlich überrascht nach Luft. Ein leises Kichern entrinnt ihrer Kehle was in seinen Ohren wie Glocken nach klingt. Plötzlich hält sie inne. „... ähm, wie kann ich die wieder einpacken...?“ Mit einem schlanken Finger deutet sie auf die Federpracht hinter sich und wackelt mit dem Flügel auf den sie deutet. Kichernd beugt er sich zu ihr hinab und lehnt sich an ihre Schulter. Er seufzt tief um sich wieder unter Kontrolle zu bekommen. „Wenn du es so wünschst, dann tu es. Sie sind ein teil von dir. Genauso wie du die Hand zur Faust ballen kannst...“ Mit einem Schmunzeln schließt sie die Augen und ihre Schwingen falten sich hinter ihrem Rücken wieder zusammen. Mit einem Lächeln öffnet sie wieder die Augen und schaut in sein sanftes und ausdrucksvolles Gesicht. Ihm steht die mit aller Macht gebändigte Begierde in die Augen geschrieben. Sie hält einen Moment inne um ihn nun ihrerseits zu betrachten. Die Breiten schultern, die muskulöse Brust und Bauch, die langen geraden Beine, die gebräunte Haut im Gegensatz zu ihrer fast Milch weißen, der Rest.... Sie zieht ihn zu sich und mit sich zur Schlafstelle die etwas so unschuldiges an sich hat, die sie aber in dieser Nacht verlieren wird. Als sie sich ihm wieder zuwendet sind seine Schwingen schon hinter seinem Rücken verschwunden. „Ich kenne eine alte Geschichte über meine Ur –Urgroßmutter die von einem altehrwürdigen Volk auf schwingen erzählte zu dem Ihre Mutter gehört haben soll. Sie nannte sich Sejaia, Tochter von Kortem.... Ich dachte immer es wäre nur eine Geschichte...“ Sie wird von seinen Küssen umfangen und kann kaum noch klar denken als er plötzlich inne hält. „Dann sollst du auch einen Namen der Faehr tragen. Für mich bist du ab heute Lunija, die vom Mond versilberte...“ Langsam drückt er sie in die Kissen und beginnt jeden Winkel ihres Körpers zu erforschen bis ihr Verstand sich hinter einen Vorhang zurückzieht. Das Gesamte Schloss liegt still dar und die Dicken Mauern lassen keinen Laut aus dem Zimmer des Mädchens aus der anderen, und selben, Welt nach außen dringen. Das Meer rauscht an den Klippen die unter dem großen Balkon liegen und der laue Wind bauscht die Vorhänge zu einem bizarren Tanz auf, während eine silbrige Feder auf dem Boden vom Luftzug erfasst wird und auf den Wellen des Windes davon getragen wird während die Sonne langsam im Osten das Meer rot zu färben beginnt und die Nacht vertreibt.



Part2


Der Morgen kommt und die Sonne wirft ihre ersten strahlen in das Zimmer des Mädchens aus der anderen Welt. Langsam hebt sie die Arme und lässt sie mit einem aufstöhnen wieder zurücksinken. Jeder Muskel in ihrem Körper schmerzt und sie fühlt sich wie erschlagen. Sie Vernimmt das leise atmen eines schlafenden neben sich und hebt vorsichtig ein ende des zerwühlten Lakens an. Für einige Zeit verharrt sie so und beobachtet den nun so verletzlich wirkenden Körper neben sich. Langsam zieht sie das Laken etwas zurück und dreht sich auf die Seite um den schlafenden zu beobachten. Sie spürt plötzlich so viel Zärtlichkeit in sich, das sie ihn am liebsten in den Arm genommen und fest gedrückt hätte, statt dessen streicht sie vorsichtig eine der unbändigen Strähnen aus seiner Stirn und küsst diese sanft. Ohne hast hebt er den Kopf und liebkost sanft ihre Lippen mit den seinen. „Guten Morgen Lunija...“ Immer noch schläfrig lässt er sich zurück in die Kissen gleiten und schaut von unten zu ihr auf. Die dunklen Augen huschen langsam über ihr Gesicht und das vom Schlaf zerwühle schwarze Haar. Er streckt seinen Arm aus und zieht sie zu sich heran. Immer noch erschöpft aber von einer tiefen Zufriedenheit erfüllt schmiegt sie ihre Wange an seine Brust. Liebevoll lässt er seine Hand über ihr Haar an ihren Rücken hinab gleiten. „... Ijerik....!“ Ein erschrecktes quitschen entfährt ihr und sie richtet sich auf . „Angst ich könnte etwas unständiges anstellen....?“ Ein lächeln umspielt seine Lippen und sie wendet sich errötend ab. Langsam steht sie, in ihr Laken gewickelt auf. „Wohin gehst du?“ Er scheint überrascht, aber sie wendet sich nicht um da sie spürt wie ihr nun das blut in die Wangen steigt. „Ich werde mich fertig machen, es ist bald Zeit für das Frühstück....“ Damit ist sie in ihr Nebenzimmer entschwunden. Er streckt sich ausgiebig und merkt wie jeder einzelne Muskel in seinem Körper spannt. Er erhebt sich und sammelt versucht sich zu sammeln, um ihr langsam zu folgen. Als er das Nebenzimmer betritt knöpft er gerade sein Hemd zu das er gestern in der Hand gehalten hatte als er ihr Zimmer betreten hatte. Er erspäht sie wie sie gerade mit den Häkchen ihres Kleides Kämpft. Langsam geht er zu ihr hinüber und legt seine Hände über die zitternden Finger Lunija’s. Er zögert knapp unter den Schulterblättern und beugt sich vorsichtig zu ihrem Hals hinab um ihn zu küssen. „Ich lasse das Kleid bis zu den Schulterblättern offen und schlage den Saum einfach ein. Leg dir ein Tuch um. Du weißt nie wann du deine Schwingen einmal brauchen solltest. Und heute nacht wirst du fliegen...“ Er greift nach einem Seidenschal der blass grün ist und gut zu dem dunklen grün des bodenlangen Samtkleides passt das sie trägt. Dann ergreift er ihre Hand und wendet sie zu sich um. „Du siehst noch ganz verschlafen aus. Da, geh zu der Wasserschale und mach dich fertig.“ Sie deutet auf eine Porzellanschüssel. Während er sich einige Hände voll Wasser in sein Gesicht schaufelt bindet sie ihr langes Haar zu einem Zopf der ihr locker über die Schulter fällt und bis an ihre Hüfte reicht. Für einige Zeit beobachtet er sie im Spiegel und sieht ihre Unbekümmertheit wenn sie sich unbeobachtet fühlt. „Wir müssen gehen, Lunija. Bist du fertig?“ Sie nickt und reicht ihm die Hand. Langsam schleichen sie aus dem Zimmer und wandeln Hand in Hand den langen Gang hinunter zum Speisesaal. Dieses Bild drückt so viel Vertrautheit aus wie sie normalerweise nur altbekannte liebende beweisen. Wie ein schon vor der Geburt füreinander vom Schicksal bestimmtes Paar...



Part3



Viele verstohlene Blicke folgen den beiden als sie durch den Schlossgarten wandeln. Er hält ihre Hand als wäre sie etwas zerbrechliches. „Woran denkst du jetzt, Lunija?“ Sie blickt vor sich auf den Boden und das Blut beginnt ihre Wangen rot zu färben. „An ... dich.“ Ihre Stimme kommt einem flüstern nahe ist dafür aber fast schon wieder zu leise. Sie beginnt sich wieder zu fassen und blickt ihn nun unverwandt an. „Wie lange kennen wir uns nun schon? Drei Monate, oder eher vier?“ Er hebt die Schulter und schüttelt den Kopf. „Ich weiß es nicht so genau, aber ich würde eher meinen es waren vier Monate. Weshalb möchtest du das wissen?“ Er zieht sie noch näher zu sich. Die neugierigen Blicke der anderen übersehen sie. Ihre Brust hebt und senkt sich mehrmals ohne das sie auch nur ein Wort sagt. „Wir waren uns immer so nah und doch so fern... Was ist mit deinem Volk? Brauchen sie dich nicht?“ Sanft legt er ihr einen Finger an die Lippen. „Wir sind jetzt in diesem Augenblick hier zusammen, nur das zählt. Das und die Zukunft die vor uns liegt. Und außerdem ist es unser Volk, auch wenn die Verbindung über die Generationen hinweg in Vergessenheit geraten sind.“ Sie erreichen den Pavillon der zum Meer hin eine wunderbare Aussicht bietet. „Was denkst du wird passieren wenn ich nach Hause muss, zurück in meine Welt...? Was soll ich dann tun? Ich kann weder hier bleiben ohne die Menschen aus meiner Welt, jene die mich lieben, zu verletzen. Aber ich kann nicht hier fort und dich zurücklassen...“ Resignierend wendet sie sich ab und beginnt einen unruhigen Lauf, auf und ab. Er beobachtet sie eine Zeitlang und wendet sich dann gen Meer. „Wenn ich das einzige bin was dich hier hält, dann werde ich dich begleiten.“ Mit traurigem lächeln tritt sie auf ihn zu und tätschelt leicht seine Wange. „Nein, das geht nicht. Wäre es so einfach, dann hätte ich dich vielleicht gebeten, aber es geht nicht. Denk alleine an dein Volk, ...nein, bitte sag nicht es wäre auch mein Volk. Das ist es nicht. Ich bin eine Fremde die vielleicht etwas von dem Blut in sich trägt das euch ganz und gar inne ist. Du könntest mich nicht begleiten.“ Sein Blick ist immer noch starr auf den Horizont gerichtet. Tränen füllen seine Augen. „Du wirst bald gehen, habe ich recht?“ Schweigen folgt. Schwer lässt er den Kopf auf seine Brust sinken die sich unter einem tiefen Seufzer hebt und senkt. „Ijerik, die Gegenwart zählt, nicht Vergangenheit oder Zukunft. Bitte...“ Sie verweilt einen Moment. Ohne eine Antwort bekommen zu haben wendet sie sich ab und schreitet langsam davon. In ihren Augen schimmern Tränen. Eine Liebe, so tief und doch zu schwach um tiefe Leiden zu verbannen, zieht ihre Kreise. Ein Vogel huscht vorüber und der Azurblaue Himmel erstrahlt im Glanz der goldenen Sonnenstrahlen.


Part4

Die Sonne neigt sich dem Horizont entgegen und man erwartet jeden Moment das tosen des Meeres wenn die Sonne auf das Wasser trifft. Lange wandert sie in ihrem Zimmer auf und ab um Ordnung in das Chaos von Gedanken zu bekommen. Unschlüssig bleibt sie in der Türöffnung zum Balkon stehen um ihre Ängste mit der Sonne hinter dem Horizont untergehen zulassen. Ein zaghaftes klopfen bringt sie zurück in die Wirklichkeit. „Ja bitte?“ Sie merkt nicht wie abweisend ihre Stimme klingt. Vorsichtig öffnet sich die Tür und die feingliedrige Gestalt Prinzessin Dysa’s schiebt sich herein. Langsam beginnt sich die Stimmung Lunija’s beim Anblick ihrer Freundin aufzuhellen. „Dysa, wie schön das du mich besuchen kommst. Was kann ich für dich tun?“ Dysa blickt scheu zum Balkon und dann durch den gesamten Raum, auf der suche nach etwas das nicht da zu sein scheint. „Ich bin nur gekommen, zu fragen ob du vielleicht etwas brauchst. Du erschienst nicht beim Abendessen, ebenso wenig wie Ijerik und ich wollte nur wissen ob ihr uns vielleicht verlassen habt.“ Das Gesicht dieses jungen Mädchens ist beschämt zu Boden Gewand. „Nein Dysa. Ich bin noch nicht fort. Ich werde dir Lebewohl sagen wenn ich gehe und dann alleine in meine Welt heim kehren.“ Die junge Prinzessin nickt erleichtert und die zierlich gewundenen Ohrringe aus Gold und Diamanten wippen in der Bewegung so das sich das wenige licht in den Edelsteinen zu bizarren formen bricht. „Das ist schön... Ich.. oh...“ Ihre Worte werden durch ein Klopfen an der Türe unterbrochen und ohne abzuwarten wird die Türe geöffnet. Irritiert von der dargebotenen Situation bleibt Ijerik auf der Schwelle stehen. Eine blasse röte steigt in Dysa’s Wangen und sie wendet sich zum gehen. „ Geruhe wohl meine Freundin, und dir das selbe, Ijerik.“ Die Türe fällt hinter der schüchternen Prinzessin mit dem Goldbraunen Lockenschopf ins Schloss und man hört sich eilig entfernende schritt, sonst ist es still. Ohne das ein Wort gefallen ist wendet Lunija sich ab und schreitet hinaus auf den Balkon über dem Meer. Es folgen ihr keine schritte. „Ja, du hast recht. Ist es das was du hören willst? Ich weiß das ich mein Volk nicht im stich lassen kann und du ein eigenes Leben führst, irgendwo da draußen, mit einer anderen Familie, anderen Freunden, in einer anderen Welt, mit einem anderen Mann... Ich verstehe das du das leben wie es war wieder haben willst...“ Seine Stimme erscheint hohl und vollkommen deplaziert. Sie spannt die Schultern und spürt Kälte in diesen Worten mitschwingen. „Ja, ich habe wo anders ein anders Leben geführt. Es war bequemer und einfacher. Ich brauchte nicht ständig um mich oder jemand anderes Angst zu haben und ich wusste nicht das ich, .. so unnormal bin. Ich will mein altes unbeschwertes Leben zurück haben!“ Plötzlich legen sich warme, besitzergreifende Arme um sie. Er legt sein Gesicht vertraut an ihren Hals und schmiegt sich an sie. „Ich weiß... aber zwing mich nicht dich gehen zu lassen. Bitte!“ Sie lässt ihren Kopf nach hinten, an seine Schulter sinken. „Ich will nicht gehen, kann aber auch nicht hier bleiben. Versteh‘ mich bitte.“ Er seufzt tief und sie spürt seinen warmen Atem auf ihrer kühlen Haut. Lange verweilen die zwei in dieser Umarmung. Sie sagen viel ohne auch nur ein Wort zu sprechen. „Lunija, flieg' mit mir. Sieh dir die Sterne aus der Nähe an und berühre die Wolken. Vergiss alles, lebe jetzt und mit mir ohne zu grübeln. Sei frei.“


Part5


Der Mond strahlt hell und taucht die Wiese in milchiges Licht. Hand in Hand schreiten die beiden, Lunija und Ijerik, den sanft geschwungen Hügel hinauf. Das Mondlicht lässt die ruhige Szene unwirklich erscheinen, aber das ist sie nicht. Ganz und gar nicht. „Mach dich frei von allen jetzt unwichtigen Gedanken und halte nur einen besonders schönen fest. Öffne deine Schwingen und lass dich auf den Strömungen der Luft dahin treiben.“ Sie blickt ihn herausfordernd an. „Hättest du es nicht noch etwas Poetischer ausdrücken können?!“ Er hält in seiner Ansprache inne und schaut sie anklagend an. „Du bist und bleibst ein Mensch der sich nicht von Poesie verzaubern lässt... oder?“ Ihre romantisch verträumten Augen strafen seine Worte Lüge, und so belässt er es dabei. Plötzlich starrt sie unkonzentriert an ihm vor bei auf den Diamanten bestreuten Himmel. Vorsichtig hebt sie eine schmale Hand und deutet an ihm vorbei. Er wendet sich um ohne etwas entdecken zu können. Als er sich ihr wieder zu wendet umfängt ihn plötzlich ein Küsst. Sie stößt sich vom Boden ab und lässt Ijerek verwirrt zurück. In diesem Augenblick Spannen sich ihre Schwingen und sie treibt auf einem lauen Wind hinauf, dem Himmel entgegen. „Nur ein Scherz....!“ Sie schwebt einige Meter über dem Boden, ihre Schwingen strahlen in dem Mondlicht noch silbriger als sie schon sind, ihr hellblaues Gewand fließt wie Quecksilber, ihr Haar weht in dem lauen Lüftchen und ihr Lächeln durchdringt selbst die tiefste Dunkelheit. „Ijerik, ich glaube ich bleibe hier. Das hier ist mein Leben. Ich lebe da wo du lebst und du musst nun mal bei deinem Volk sein. Ich bleibe bei dir. Ich liebe dich...“ Sein Herz macht einen Satz und droht fast stehen zu bleiben. Sie streckt ihm ihre Hände entgegen. Doch plötzlich Weiten sich ihren Augen und durch die so friedliche Nacht dringt ein Schrei, schrill, hoch und angsterfüllt. Viel zu spät bemerkt Ijerik das aufblitzen von Metall. Tränen erfüllte Augen blicken hilflos in die Augen des Geliebten, auf der suche nach dem Grund. Als Lunija die Hände von ihrem Bauch weg nimmt, erscheint die Spitze eines Pfeils darunter. Der Blutfleck auf ihrem Kleid wächst von Sekunde zu Sekunde. Ijerek kann es nicht begreifen, bis ihn die Gegenwart mit einer plötzlichen Gewalt einholt. „Nein!!!“
Noch im Sprung reißt er sich sein Hemd vom Leib und die gewaltigen weißen Schwingen breiten sich in einem aufbäumen aller Kräfte aus. Die Smaraggrünen Augen seiner Liebsten blicken ihm mit Unglauben entgegen. In wenigen Augenblicken hat er sie erreicht und sie bricht endgültig in seinen armen zusammen. Langsam schwebt er mit ihr zu Boden und wird nicht einen Moment von den Leidenden Augen entlassen. „Warum? Ich habe doch nichts getan...“ Er hockt neben ihr im weichen Gras und hält sie in seinen Armen. Ihr Atmen wird zu einem gequälten Röcheln und Blut rinnt ihre von tränen befeuchtete Wange hinab. Ohne etwas tun zu können hält er sie in seinen Armen und wiegt sie wie ein Kind, seine Schwingen schützend um sie beiden gelegt. „Lunija, ich liebe dich auch. Bitte glaub mir das.“ Ein lächeln erscheint auf ihrem Gesicht. Er wiegt sie in seinen Armen bis irgendwann etwas in seinen Kopf umschaltet und er bemerkt das sie leblos in seinen Armen liegt, immer noch mit dem liebevollen Lächeln und dem unerträglichen Schmerz in ihren Augen. Tränen rinnen über sein Gesicht, tränen um den Tod des Mädchens in seinen Armen, Tränen um ihre gemeinsame Zukunft die geraubt wurde und Tränen um denjenigen der nur aus Jahrhunderte alten Ängsten auf dieses wundervolle Wesen schoss. Er bemerkt die Soldaten erst als sie direkt neben ihm stehen. „Ijerik, Ritter von den Bergen des fernen Ostens, ihr seid als Monster der alten Zeiten erkannt worden und seid des Todes.“ Erleichterung erfüllt ihn. „ Ich bin Ijerik, Sohn des Volkes Faehr, des verlassenen Volkes. Ich will mich fügen und ihr folgen....“ Genugtuung erfüllt das hässliche Gesicht des Soldaten. Ijerik küsst Lunija’s Stirn, bettet ihren Kopf in das weiche Gras und erhebt sich. Er blickt seinen Gegenüber an und sieht wie der sein Schwert erhebt. Dann schließt er die Augen und sieht ihr lächeln. „Lunija, ....“ Blut tränkt den sanften Hügel unter dem Mond und zwei Federn werden vom Wind erfasst um gemeinsam davon zu treiben. ...




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