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Raphael & Tiana



Hart packen grobe Hände zu und mit fast zermürbendem griff wird die schmale Gestalt an ihren dünnen Armen hoch gerissen. Flehentlich bettelt das Mädchen, verzweifelt versucht sie mit den Fäusten zu trommeln, doch nichts hilft die unbarmherzigen Schergen des Feindes von ihr ablassen zu lassen. Hilflos wird sie in eine dunkle Ecke geworfen und von herablassenden Blicken gedemütigt. Mit gehässigen Worten auf den Lippen nähern sich die grobschlägigen Schergen. Entmutigt schließt das Mädchen die Augen und lässt das Rad des Schicksals sich drehen. „Stop!“ Nur ein Wort, mehr nicht. Unvermittelt bleiben die Soldaten stehen, wenden sich dem Rufer zu und nehmen Haltung an. Vom Leuchten geblendet wendet das Mädchen die Dunkelheit gewöhnten Augen ab. „Geht!“ Noch ein knappes Wort, doch auch diesem wird folge geleistet. Die Schergen, die Soldaten, wenden sich ab und entschwinden in einem strahlendem Rauschen. Neugierig blinzelt das Mädchen gegen das Strahlen an. Mit einem verhüllendem Umhang schwindet das blendende Licht. „Keine Angst...“ Die Worte von dem Unbekannten wirken wie ein sanftes Tuch auf zerwühlte Gedanken. Langsam tritt die Gestalt näher und geht in die Hocke, dem Mädchen in die Augen blicken zu können, welches gedemütigt in die Ecke gedrängt wurde und noch dort hockt. Sanft meergrüne Augen blicken sie an und suchen den Blick der schwarzen Augen des Mädchens. „Ich weiß was ihr seid, und was ich bin. Tötet mich endlich, dann haben wir es hinter uns!“ Die Worte des Mädchens klingen kalt und müde, und viel zu ernst. „Ich bin nicht sie!“ Die Stimme des Fremden ist entschuldigend und seine Augen flehentlich. Endlich treffen sich die Augenpaare. Stille herrscht, kein Ton, kein Wind, das Universum hält den Atem an, als sich in diesem Augenblick befohlene Todfeinde als etwas anderes erblicken. Der Engel schaut der kleinen, von etlichen Wunden gezeichneten Dämonin in die Nachtaugen. Ein neues Universum und eine Bestimmung erblickt er darin. Und in seinem unergründlichem Blick der allen Engeln gleich, wörtlich strahlt, sieht sie etwas das sie nie zuvor erblickte: ihr Leben.


Langsam und unbewusst hebt der Engel die Hand und streckt sie vorsichtig nach dem schmalen Gesicht der Dämonin aus. Wie jemand anderes legt er seine Finger sacht an ihre Wange, so als ob er sichergehen wollte das sie auch Wirklichkeit ist. Doch wie unter einem Hieb zuckt die Dämonin zurück, und auch der Engel zieht verblüfft die Hand zurück und schaut diese an. „Ich wollte dir nicht weh tun...“ Verzeihend blickt er das Mädchen an. „Nichts passiert.“ Langsam erhebt sie sich und geht auf die schmale Tür zu. Erahnen sie nie wieder zu sehen springt ihr der Engel nach. „Warte!“ An ihrer Seite angekommen, kreuzt er ihren Weg und hält sie so auf. „Bitte, euren Namen zu wissen bedeutet mir viel...!“ Ungläubig schaut sie ihn an. „Was macht es aus einen Namen unter vielen zu kennen die man tötet?“ Immer noch hält sie den Blick abgewendet. „Ich führte nie das Schwert. Meine Hand hielt nur das Schild des Windes und gab Heilung und das Leben, statt den Tod!“ Bittend versucht er ihren Blick zu erhaschen. „Also seid ihr Raphael, der Erzengel...“ Kopfschüttelnd geht sie an ihm vorbei zu der Türe. In dieser bleibt sie noch einmal stehen und wendet sich um. „Ihr wisst was wir sind, und was niemals zwischen uns stehen kann und darf. Es ist uns verboten etwas anderes als Hass oder Verachtung für einander zu empfinden!“ Und sie wendet sich ab. Mit einer letzten Verzweiflungstat springt er ihr nach und schließt sie in die Arme, sein Gesicht in ihr Haar vergrabend. „Ich tat nie was ich sollte. Ich lehnte das Schwert ab und heilte verwundete beider Seiten. Bitte geht nicht einfach. Sagt mir bitte wenigstens euren Namen.“ Vorsichtig löst sie sich aus seinen Armen und dreht sich zu ihm um. Traurig blickt sie in seine leuchtenden Augen in dem strahlendem Gesicht. Vorsichtig legt sie ihre Hand an seine Wange. Durch das Universum geht ein Ruck, als das göttliche und das verdammte Wesen sich so, ohne Hass, gegenüber stehen. Wissend über die Gesetze gegen Engel und Dämonen Verbindungen schließt er traurig die Augen. Ihre Stimme ist nicht mehr als ein wispern, tränen erstickt. „Das Schicksal ist oft zu sehr bösen Scherzen aufgelegt.“ Über seine oliv-farbene Porzellanhaut zieht eine sachte Träne ihre silberne Spur. Die blutroten Tränen, die zu beiden Seiten ihre blassen Wangen hinab rinnen, tropfen auf den silbernen Umhang, der seine strahlende Gestalt und Schwingen verhüllt, als sie sachte einen Kuss auf seine Lippen haucht. „Leb wohl und vergiss mich nicht. Vergiss Tiana nicht...“ Eiskalter Wind schlägt ihm ins Gesicht und als er die Augen öffnet sieht er noch die schmale Gestalt, von gewaltigen, gefederten, schwarzen Schwingen getragen, in den blutroten Horizont entschwinden.

Nach einigen Momenten ballt er die Hand zur Faust, die er dem Mädchen nachgestrebt hatte, und blickt hasserfüllt zum Himmel hinauf. „Womit habe ich das verdient? Habe ich denn nie treu genug gedient? Ist mir denn kein Glück erlaubt? Du Heuchler, du schenkst doch nur Kummer statt Glück!“ Wütend schleudert Raphael den Mantel fort und spreizt die strahlenden Schwingen auf. „Warum willst du mir verwehren was mir alles ist? Heuchler! Ich bin nicht mehr blind wie die anderen! Meine Augen sind offen!“ Sturm peitscht auf, umhüllt den Windengel und wirbelt Staub auf. Als sich der wütende Sturm wieder legt, und der betrübte Engel nur noch leise vom Wind umweht wird, öffnet er die nun von Verstehen erfüllten Augen und erhebt sich in die Lüfte. Seine Liebe suchend, tragen sie nun silber-grauen Schwingen des gefallenen Engels ihn auf den Horizont zu.



Und zwei Dinge geschehen :

Die Elemente kippen, und der Wind erlischt im göttlichen Plan und etwas neues entsteht, ein neuer Stern strahlt auf;

Und der Hass, erfunden von den Todfeinden, flackert wie eine vom Wind gepeitschte Kerze...




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